"Es hat nicht nur das Leben eines Teilnehmenden verändert, sondern das aller Beteiligten."
Wir trafen Kessius, sambischer Künstler, Regisseur und Schauspieler. Er war Teilnehmer am deutsch-sambischen Teams up!-Jugendaustauschprojekt „Step Up for Change“ und am DAJW Alumni Workshop 2025 in Windhoek, Namibia.
1. Hallo Kessius, wie würdest du dich kurz und knapp beschreiben?
Ich bin ein vielseitiger sambischer Künstler, leidenschaftlicher Regisseur und jemand, der immer dazulernen möchte. Ich entwickle beeindruckende Shows, arbeite mit Jugendlichen und nutze Kunst, um Menschen zu inspirieren und zu verbinden.
2. Woher kommt deine Leidenschaft für Freiwilligenarbeit und internationalen Jugendaustausch?
Die Leidenschaft kommt aus dem Bedürfnis, die jungen Mitmenschen aus meiner Gemeinde und meinem Land wachsen zu sehen. In meinem Fall öffnet der kulturelle Austausch den Blick für Dinge, denen man zuvor keine Beachtung geschenkt hat. Daher ist mein Antrieb der Wunsch, in einem Kreis von moralisch, kulturell und sozial intelligenten jungen Menschen zu agieren.
3. Im Teams up!-Projekt „Step Up for Change“ mit deutschen und sambischen Jugendlichen habt ihr gemeinsame Szenen und Performances entwickelt. Welche Chancen und Herausforderungen siehst du im kulturellen Austausch? Und welche persönlichen Erfahrungen (aus Lusaka oder Bonn) haben dich bisher geprägt?
Die Chance, die ich im kulturellen Austausch sehe, ist die Erweiterung meines Netzwerks und, nicht nur das, sondern auch der Wissenspool, den ich zu verschiedenen Themen wie nachhaltigen Entwicklungszielen, Klimawandel und Politik gewinne.
Die Herausforderung, vor der ich stand, war die Anpassung an die Umgebung, da ich zum ersten Mal außerhalb Afrikas gereist bin. Abgesehen davon gab es einige Kulturschocks, an die ich mich mit der Zeit gewöhnt habe. Beispielsweise ist die Arbeitskultur sehr geregelt und die „organisierten” Menschen in Deutschland immer beschäftigt. Außerdem war es lustig und irgendwie schockierend zu erfahren, dass die männliche Familie nichts bezahlen muss, um eine Frau zu heiraten.
Die Erfahrungen, die mich geprägt haben, sind folgende: Die Entwicklung meiner Fähigkeiten, da etwa meine Regiekenntnisse um einige Prozentpunkte gewachsen sind. Es war eine Zeit intensiver Vorbereitungen in kürzester Zeit. Zweitens die Persönlichkeitsentwicklung: Bestimmte Eigenschaften meiner Persönlichkeit wurden durch die Erfahrungen in Lusaka und Bonn gefördert. Durch das Teams up!-Projekt habe ich gelernt, sehr detailliert und systematisch zu planen. Vorher konnte ich nur improvisiert proben.
4. Hat deine Teilnahme an Teams up! und am DAJW Alumni Workshop deine künstlerische Arbeit und dein Engagement für die SDGs beeinflusst, und wenn ja, wie?
Ja, das hat es tatsächlich! Erstens, habe ich durch die gemeinsamen Proben mit den beiden Teams (Deutschen und Sambiern) gelernt, meine Proben professionell zu planen und künstlerische Aufführungen zu organisieren. Als ob das noch nicht genug wäre, konnte ich lernen, wie man sich bei verschiedenen Organisationen um Kleinstzuschüsse bewirbt. Zudem habe ich durch den DAJW-Alumni-Workshop in Windhoek viele Informationen über die SDGs erhalten.
5. Du arbeitest mit Tanz, Theater, Poesie und Rap. Welche dieser Ausdrucksformen bevorzugst du, um Themen wie menschenwürdige Arbeit (SDG 8) oder globale Ungleichheiten anzusprechen, und warum?
Ich ziehe es vor, eine Mischung aus verschiedenen Kunstformen zu schaffen, alle Genres zu vermischen und ein informatives Kunstwerk für das allgemeine Verständnis zu schaffen, da nicht jede*r ein echte*r Liebhaber*in einer der vier Kunstformen (Tanz, Theater, Poesie und Rap) ist.
6. Wie übersetzt du als Regisseur und Geschichtenerzähler komplexe globale Herausforderungen in künstlerische Sprache? Was ist dir dabei wichtig?
Zunächst sammle ich Wissen zu dem jeweiligen Thema und suche dann nach Symbolen, mit denen ich die Informationen sowohl für das Publikum als auch für die Darsteller*innen leicht verständlich und unterhaltsam aufbereiten kann. Mir ist es wichtig, dass die Menschen komplexe Themen durch einfache Ausdrucksweisen leicht verstehen können.
7. Welche Rolle spielt Freiwilligenarbeit in deiner Gemeinde in Lusaka, und wie motivierst du junge Menschen dort, sich an künstlerischen und sozialen Aktivitäten zu beteiligen?
Sie spielt eine entscheidende Rolle dabei, jungen Menschen ihre beruflichen Möglichkeiten bewusst zu machen, und gibt ihnen die Möglichkeit, verschiedene Fähigkeiten zu entwickeln. Ich motiviere meine Teammitglieder (etwa 40), indem ich sie mit Auftritten beschäftige und ihnen am Ende eine kleine Anerkennung zukommen lasse. Ich verstehe sehr gut, woher sie kommen.
8. Kannst du ein konkretes Beispiel für ein Austauschprojekt oder eine Aufführung nennen, das bzw. die das Leben eines Teilnehmenden deutlich verändert hat – und welche Lehren hast du daraus für zukünftige Projekte gezogen?
Das Teams up!-Projekt „Step Up for Change” von 2024–2025 ist ein perfektes Beispiel dafür. Es hat nicht nur das Leben eines Teilnehmenden verändert, sondern das aller Beteiligten. Ich sehe bei allen Teilnehmenden große Veränderungen in Bezug auf die Arbeitskultur, Pünktlichkeit und den Ehrgeiz, im Leben etwas zu erreichen. Das lehrt mich, dass manche Menschen erst einmal verreisen müssen, um zu erkennen, dass sie sich nicht mit ihrer aktuellen Situation zufriedengeben müssen. Für zukünftige Projekte würde ich mir wünschen, dass mehr junge Menschen, die langsam die Hoffnung verlieren, daran teilnehmen, um ihnen zu zeigen, dass es auch eine schöne Seite gibt, wenn man sich verändert.
9. Wenn du jungen Künstler*innen und Aktivist*innen, die international arbeiten möchten, einen Rat geben könntest, welche drei praktischen Empfehlungen würdest du ihnen geben, um Beteiligung, Nachhaltigkeit und gegenseitigen Respekt zu gewährleisten?
Stelle Beziehungen über Projekte. Höre zuerst zu, baue Vertrauen auf und unterstütze das, was bereits vorhanden ist.
Baue nachhaltige Fähigkeiten und Systeme auf. Entwickle Gewohnheiten in den Bereichen Finanzierung, Management und Dokumentation, die deine Arbeit langfristig am Laufen halten.
Übe kulturelle Intelligenz und ethischen Austausch. Lern die lokalen Kontexte kennen, teile Anerkennung und stelle sicher, dass Partnerschaften allen zugutekommen.