"Der interkulturelle Austausch hat meinen eigenen Horizont und meinen Blick auf unsere Welt im Jahr 2025 nachhaltig erweitert."

Carl Lechner ist staatlich geprüfter Techniker für Mechatronik. Erst im vergangenen Mai war der 30-Jährige als Teilnehmer von Team works! in Kenia. Dort unterstützte er gemeinsam mit seinem Tandempartner Jürgen Blatz das am Victoriasee gelegene Rarieda Training & Resource Center (RTRC) in Kisumu. Heute erzählt er uns von seinen Aufgaben vor Ort und den Erfahrungen, die er machen durfte.

Das Interview

In welchem Unternehmen hast du deine Hospitation absolviert? Was waren deine hauptsächlichen Tätigkeiten?

Meine Hospitation habe ich am Rarieda Training & Resource Center (RTRC) in Kisumu absolviert, einem Ausbildungszentrum für handwerkliche und technische Berufe. Hauptsächlich habe ich mit Auszubildenden und Lehrkräften am Projekt einer mobilen, solarbetriebenen Wasserpumpe gearbeitet – von der Konzeption über diverse Berechnungen bis zum Bau eines Prototyps. Daneben habe ich Community-Projekte unterstützt, etwa die Reparatur der Koteyo-Wasseraufbereitungsanlage, und ich beriet bei der Elektroplanung eines neuen Gebäudeteils des RTRC beraten.

Carl und ein paar andere Männer arbeiten gemeinsam an einer Maschine.
Gemeinsam kann’s gelingen!

Was hast du während deiner Hospitation gelernt, sei es von deinen Kolleg*innen, Vorgesetzten oder selbstständig? Und welche deiner Fähigkeiten konntest du weitergeben?

Ich habe gelernt, wie wichtig eine gemeinschaftsorientierte Herangehensweise in Kenia ist: Entscheidungen werden stets im sozialen Kontext getroffen. Besonders beeindruckt hat mich, wie Schüler*innen und Lehrkräfte trotz begrenzter Mittel kreative Lösungen entwickeln. Von meinen Kolleg*innen habe ich gelernt, wie man improvisiert. Weitergeben konnte ich mein Wissen in Elektroplanung, Messungen und Projektorganisation. Besonders im Unterricht zu elektrischen Schutzeinrichtungen und elektromechanischen Maschinen konnte ich den Schüler*innen und Lehrkräften praxisnahes Wissen vermitteln und motivierte sie, selbst Ideen einzubringen.

In einem Klassenzimmer unterrichtet Carl.
Carl gibt sein Fachwissen weiter

Warum hast du dich für Team works! und das DAJW entschieden?

Ich habe mich für Team works! und das DAJW entschieden, da ich die Kombination aus fachlichem Lernen, interkulturellem Austausch und der Chance, einen echten Beitrag zu leisten, sehr wertvoll finde. Die Programmlinie bietet jungen Menschen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, neue Perspektiven zu gewinnen und gleichzeitig eigene Kenntnisse einzubringen. Für mich war es eine ideale Gelegenheit, mein technisches Wissen praktisch einzusetzen und mich zugleich als Lehrender zu erproben.

Was hat dich am meisten überrascht?

Mich hat überrascht, wie herzlich und offen ich in Kenia aufgenommen wurde. Gleichzeitig fiel mir der Unterschied zur deutschen Arbeitsweise auf: Das Gemeinwohl spielt bei Entscheidungen in Kenia eine deutlich größere Rolle, während bei uns in Deutschland der Fokus eher auf Effizienz gelegt wird. Kleine Verbesserungen an technischen Anlagen kamen vielen Menschen zugute.

Carl und andere Männer stehen zusammen. Vor ihnen steht ein Solarpanel.
Gruppenfoto mit Solarpanelen

Welche Vorteile hat es, ein Tandem mit einem*einer SES Expert zu bilden?

Die Zusammenarbeit mit dem Senior Expert ermöglichte es, Projekte fachlich breiter aufzustellen. Seine Erfahrung und Hartnäckigkeit bei technischen Problemen und mein Augenmerk auf nachhaltigem Wissenstransfer war ein Gewinn für das Projekt. So habe ich Lehrkräfte und Schüler*innen motiviert, auch nach Ende der Projektzeit weiterhin aktiv die Projekte voranzutreiben und selbstständig Ideen zu entwickeln. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, ergänzten sich Erfahrung und ein frischer Blickwinkel erfolgreich.

Was würdest du anderen jungen Menschen, die sich für eine Hospitation im Ausland interessieren, mit auf den Weg geben?

Geht offen, neugierig und geduldig in die Erfahrung! In Kenia zum Beispiel läuft vieles anders, als man es gewohnt ist – das ist manchmal eine Hürde, aber gleichzeitig sehr spannend! Bringt eure Ideen ein, aber nehmt euch auch Zeit zuzuhören und die Locals zu verstehen. Lasst euch von Rückschlägen nicht entmutigen, sondern seht sie als Lernmomente. Und ganz wichtig: Schafft Vertrauen, nehmt kulturelle Unterschiede respektvoll an und seid flexibel – dann wird es eine unglaublich bereichernde Zeit.

Vier Männer transportieren Solarpanele durch eine grüne Landschaft.
Auf dem Weg zum Feldversuch

Nenne uns drei Dinge oder Erfahrungen, die du aus deiner Hospitation mitnimmst:

  1. Freude an Wissensvermittlung: Lehren kann wirklich Spaß machen!
  2. Kleine unscheinbare Problemlösungen können große Wirkung haben.
  3. Der interkulturelle Austausch hat meinen eigenen Horizont und meinen Blick auf unsere Welt im Jahr 2025 nachhaltig erweitert.
Carl und andere Männer stehen vor dem Ufer des Victoriasees.
Abschiedsfoto am letzten Abend

Was wirst du nie vergessen?

Unvergesslich bleibt für mich der Besuch bei einer jungen Frau im Slum: Sie lebte mit ihrer Familie in einer kleinen 20m²-Wellblechhütte. Trotz dieser Situation wirkte sie sehr stark und bestimmt. Es hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Leben – zufällig entschieden durch den Ort, an dem wir geboren werden – aussehen können und welches Glück wir in Deutschland mit unserem Lebensstandard haben.

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